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Batteriespeicher und dynamische Tarife: Studie zeigt klaren finanziellen Vorteil

Eine neue Studie auf Basis von Smart-Meter-Daten aus 448 Haushalten zeigt, dass Batteriespeicher im Zusammenspiel mit dynamischen Stromtarifen deutliche Stromkostenvorteile ermöglichen – auch ohne komplexe Optimierung.

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Dr. Anna Schmidt

Energieexpertin mit Fokus auf erneuerbare Energien und Speichertechnologien.

Studie: Batteriespeicher und dynamische Tarife bringen messbare Kostenvorteile

Bamberg, November 2025 – Die Kombination von Batteriespeichern und dynamischen Stromtarifen bietet Haushalten in Deutschland einen klar messbaren finanziellen Vorteil. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Universitäten Bamberg, Würzburg, Zürich und Chemnitz, die auf einer einzigartigen Datengrundlage basiert: Smart-Meter-Daten von 448 Haushalten über einen Zeitraum von fünf Jahren (2019–2023).

Methodik: Realverbrauch trifft Simulation

Die Forscher erfassten stündlich aufgelöste Daten zu Stromverbrauch, PV-Erzeugung und Tarifen und kombinierten diese mit Simulationen von verschiedenen Speichergrößen, Betriebsstrategien und Tarifmodellen. Ziel war es, die Strombezugskosten zwischen festen und dynamischen Tarifen im Speicherbetrieb zu vergleichen.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • 12,7 % Ersparnis bei Strombezugskosten bei reinem Eigenverbrauchs-Optimierungsbetrieb mit dynamischem Tarif (10 kWh Speicher)
  • bis zu 6 % zusätzlicher Vorteil, wenn der Speicher aktiv auf Preissignale reagiert
  • bis zu 14 % zusätzliche Einsparung, wenn Preisprognosen in der Optimierung berücksichtigt werden

Prognosen: Qualität entscheidet

Die Studie zeigt, dass die Qualität von Preisprognosen eine entscheidende Rolle spielt. Selbst einfache Algorithmen profitieren von dynamischen Preisen. Werden hingegen optimierte Vorhersagemodelle verwendet, lassen sich zusätzliche Einsparungen erzielen. Der Unterschied zwischen einer naiven Prognose (Vortagswerte) und einer „Perfect Foresight“-Strategie (Day-ahead-Preise bekannt) betrug je nach Jahr und Speichergröße mehrere Prozentpunkte.

„Der finanzielle Vorteil durch Speicher und dynamische Tarife ist nicht nur theoretisch – er ist messbar, stabil und systematisch“, betont Prof. Dr. Jan Meyer von der Universität Chemnitz, einer der Studienautoren.

Marktnähe: Reale Tarife und Börsenpreise

Die Berechnungen basieren auf:

  • festen Strompreisen laut BDEW
  • einer Einspeisevergütung von 8,1 ct/kWh gemäß EEG 2025
  • dynamischen Preisen aus dem EPEX Spotmarkt, bezogen über Awattar
  • Endkundentarifen mit 3 % Börsenaufschlag + 16 ct/kWh für Abgaben und Steuern

Bedeutung für die Branche

Die Ergebnisse untermauern, dass Batteriespeicher nicht nur zur Eigenverbrauchsoptimierung, sondern auch zur aktiven Tarifnutzung beitragen können – selbst mit einfachen Steuerungsstrategien. Damit gewinnen dynamische Stromtarife als Geschäftsmodell und politisches Steuerungsinstrument weiter an Bedeutung.

Ausblick

Mit der zunehmenden Verbreitung von Smart Metern, der Dynamisierung der Stromtarife und sinkenden Speicherpreisen ist zu erwarten, dass kombinierte Lösungen künftig breiter eingesetzt werden – auch als Grundlage für sektorübergreifende Steuerung von Wärmepumpen und E-Mobilität.

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