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ZDK: Eigenzulassungen schönen E-Auto-Zahlen

Laut ZDK wird der Markt für Elektroautos zunehmend durch Eigenzulassungen verzerrt. Fast jeder vierte neue Stromer stammt 2025 aus Eigenregie von Herstellern oder Händlern – mit Folgen für Gebrauchtwagenpreise und Leasingkonditionen.

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Michael Weber

Journalist für Energiepolitik und Marktanalysen.

ZDK: Eigenzulassungen schönen E-Auto-Zahlen

Berlin, November 2025 – Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) warnt vor einer verzerrten Wahrnehmung des Wachstums bei Elektroautos in Deutschland. Hintergrund ist der stark gestiegene Anteil an Eigenzulassungen durch Hersteller und Handel. Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) handelte es sich in den ersten zehn Monaten des Jahres bei fast jedem vierten neu zugelassenen reinen Stromer (BEV) um eine Eigenzulassung – vor zwei Jahren war es nur jeder Sechste.

Hersteller treiben Absatz künstlich

ZDK-Präsident Thomas Peckruhn sieht in der Entwicklung ein „deutliches Warnsignal“:

„Der Markt schöpft derzeit nicht aus einer echten Kundennachfrage, sondern wird vor allem durch künstliche Impulse getragen. Das tatsächliche Interesse von Privat- und Gewerbekunden bleibt verhalten.“

In Zahlen: 2025 wurden bislang 102.520 BEV-Eigenzulassungen registriert – das sind gut 50 Prozent mehr als im Vorjahr (67.895 in 2024, 70.313 in 2023). Der Anstieg ist insbesondere auf Hersteller zurückzuführen, die ihre Eigenzulassungen verzweieinhalbfacht haben. Der BEV-Anteil an allen Neuzulassungen liegt derzeit bei 18,4 Prozent, leicht über dem Wert von 2023 (18,0 %) und deutlich über 2024 (13,3 %).

Auswirkungen auf Gebrauchtwagenpreise

Die strategischen Eigenzulassungen dienen häufig dazu, kurzfristig Verkaufsziele zu erfüllen. Die Fahrzeuge gelangen meist nach kurzer Zeit als Kurzzulassungen oder junge Gebrauchte mit spürbaren Preisnachlässen in den Markt. Dies drückt das Preisniveau im Gebrauchtwagensegment.

Laut Daten der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) liegt der durchschnittliche Restwert von E-Autos nach drei Jahren aktuell nur noch bei 48,8 Prozent des Listenpreises – vor zwei Jahren waren es 58,1 Prozent. Zum Vergleich: Benziner erreichen derzeit 63 Prozent, Diesel 61,3 Prozent.

Folgen für Leasing und Neuwagenpreise

Niedrige Restwerte schlagen sich negativ auf die Leasingkonditionen für Neuwagen nieder. Gleichzeitig geraten auch Neuwagenpreise zunehmend unter Druck: Die Rabattstudien von Ferdinand Dudenhöffer zeigen für das laufende Jahr ein deutlich gestiegenes Rabattniveau bei Elektroautos.

Strompreise und Ladeinfrastruktur bremsen Akzeptanz

Der ZDK sieht die Hauptursachen der schleppenden Nachfrage nicht in den Anschaffungskosten:

„Entscheidend sind die hohen Ladekosten sowie die unzureichende Ladeinfrastruktur, besonders in Wohngebieten“, so Peckruhn.

Trotz eines wachsenden Angebots bezahlbarer kleiner und mittelgroßer BEVs bleibt die Nachfrage verhalten. Die aktuelle Marktdynamik beruht laut ZDK vor allem auf verzerrenden Sondereffekten, nicht auf nachhaltiger Nachfrageentwicklung.

Branchenimplikationen

Die Zahlen zeigen: Der E-Automarkt ist stark von Push-Faktoren abhängig. Für die Elektromobilität stellt sich damit die Frage nach belastbaren Geschäftsmodellen jenseits von Fördermitteln und bilanziellen Maßnahmen. Für die Energiewirtschaft ergeben sich Folgefragen zur Integration von Ladeinfrastruktur, flexiblen Tarifen und Netzbelastung durch neue Mobilitätsmuster.

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