Wer aus dem Ausland nach Deutschland zieht, ein Auslandssemester beginnt oder für einen längeren Arbeitsaufenthalt eine Wohnung mietet, begegnet früher oder später einem Dokument, das selbst Einheimische nicht immer auf Anhieb verstehen: der Stromrechnung. Begriffe wie Grundpreis, Arbeitspreis oder Netzentgelt sind in vielen Ländern unbekannt oder bedeuten dort etwas anderes. Dazu kommt, dass Haushaltsstrom in Deutschland im europäischen Vergleich seit Jahren zu den teureren gehört. Dieser Leitfaden erklärt, wie der Preis zustande kommt und worauf man beim ersten eigenen Vertrag achten sollte.
Freie Wahl des Anbieters
Der deutsche Strommarkt ist liberalisiert. Netz und Lieferung sind getrennt: Die Leitungen betreibt der örtliche Netzbetreiber, den man sich nicht aussuchen kann. Den Lieferanten, mit dem man den Vertrag schließt, wählt man dagegen frei. Hunderte Anbieter konkurrieren um Kundschaft, von großen Konzernen über Stadtwerke bis zu reinen Ökostromanbietern.
Wer beim Einzug keinen Vertrag abschließt, wird automatisch vom sogenannten Grundversorger beliefert – in der Regel dem Unternehmen mit den meisten Haushaltskunden im jeweiligen Netzgebiet. Die Grundversorgung stellt sicher, dass niemand ohne Strom bleibt, liegt preislich aber häufig über frei abgeschlossenen Tarifen. Für Neuankömmlinge lohnt sich ein Vergleich, sobald die ersten Wochen geschafft sind.
Anzeige
Grundpreis und Arbeitspreis
Ein typischer Haushaltstarif besteht aus zwei Teilen. Der Grundpreis ist ein fester Betrag pro Monat oder Jahr, der unabhängig vom Verbrauch anfällt. Der Arbeitspreis wird für jede verbrauchte Kilowattstunde berechnet und meist in Cent angegeben. Wer wenig verbraucht, etwa allein in einer kleinen Wohnung, sollte besonders auf den Grundpreis achten, weil er dann einen größeren Anteil der Gesamtrechnung ausmacht.
Was im Preis steckt
Der Endpreis für Haushaltsstrom setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen, von denen der Lieferant nur einen Teil selbst bestimmt:
Anzeige
- Beschaffung und Vertrieb: die Kosten des Lieferanten für den Einkauf am Großhandelsmarkt, für Personal, Abrechnung und seine Marge.
- Netzentgelte: die Gebühren für Transport und Verteilung über die Stromnetze. Sie unterscheiden sich je nach Region teils deutlich, weil Netzbetreiber unterschiedliche Kosten haben, etwa durch den Netzausbau für erneuerbare Energien.
- Steuern, Abgaben und Umlagen: darunter die Stromsteuer, die Konzessionsabgabe, die Kommunen für die Nutzung öffentlicher Wege erhalten, sowie mehrere gesetzliche Umlagen.







