Als der TSV 1860 München 1966 Deutscher Meister wurde, sah der Alltag in der Stadt anders aus als heute – auch bei der Energie. Wer damals in Giesing, Haidhausen oder Schwabing wohnte, heizte häufig noch mit einem Ofen im Zimmer, trug Kohlen aus dem Keller nach oben oder bekam Heizöl geliefert. Gleichzeitig zogen Kühlschrank, Waschmaschine und Fernseher in die Wohnungen ein. Sechzig Jahre später ist München eine Stadt, die ihre Wärme zunehmend aus der Tiefe holt und ihren Strom aus Wind und Sonne beziehen will. Der Vergleich zeigt, wie grundlegend sich die Versorgung einer Großstadt in wenigen Jahrzehnten wandeln kann.
Die 1960er: Wirtschaftswunder unter Strom
Die 1960er-Jahre waren in der Bundesrepublik eine Zeit des Aufschwungs. Löhne stiegen, Wohnungen wurden gebaut und modernisiert, und mit dem Wohlstand wuchs der Energiebedarf. Elektrische Haushaltsgeräte, die kurz zuvor noch Luxus gewesen waren, wurden für immer mehr Familien erschwinglich. Der Kühlschrank löste die kühle Speisekammer ab, die Waschmaschine den Waschtag im Keller, und der Fernseher eroberte das Wohnzimmer – nicht zuletzt, um Fußball zu sehen.
Für die Versorger bedeutete das einen stetig steigenden Verbrauch. Gedeckt wurde er in Deutschland überwiegend aus Kohlekraftwerken, ergänzt durch Wasserkraft. In Bayern spielte die Wasserkraft traditionell eine größere Rolle als in vielen anderen Regionen; an der Isar und ihren Nebenflüssen standen Kraftwerke, die teils schon seit Jahrzehnten Strom lieferten. Die Kernenergie steckte dagegen noch in den Anfängen. Der Forschungsreaktor in Garching, wegen seiner Kuppel „Atom-Ei“ genannt, war seit 1957 in Betrieb, diente aber der Wissenschaft und nicht der Versorgung.
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Wärme kam aus dem Ofen
Noch deutlicher war der Unterschied bei der Wärme. In vielen Altbauwohnungen gab es keine Zentralheizung, Einzelöfen für Kohle oder Holz waren weit verbreitet. Im Lauf des Jahrzehnts setzte sich zunehmend Heizöl durch, das bequemer zu handhaben war und in Ölöfen oder ersten Zentralheizungen verbrannt wurde.
Die Folgen waren in der Luft spürbar. An kalten, windstillen Wintertagen sammelten sich in vielen deutschen Städten Ruß und Schwefelverbindungen aus unzähligen Kaminen. Was man heute vor allem aus Bildern anderer Weltregionen kennt, war damals auch hierzulande ein vertrautes Phänomen.
Parallel gewann eine Technik an Bedeutung, die für München prägend werden sollte: die Fernwärme. Heizkraftwerke erzeugen Strom und nutzen die dabei entstehende Abwärme, um Wasser zu erhitzen, das über ein Rohrnetz in die Gebäude geleitet wird. Diese Kraft-Wärme-Kopplung nutzt den Brennstoff deutlich besser aus als ein Kraftwerk, das seine Wärme ungenutzt abgibt. Über die Jahrzehnte wuchs das Münchner Fernwärmenetz zu einem der großen in Europa heran.
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Was sich seitdem verändert hat
Zwischen damals und heute liegen mehrere Umbrüche. Die Ölkrisen der 1970er-Jahre machten deutlich, wie abhängig die Versorgung von Importen war, und gaben den Anstoß für Energiesparen und Wärmedämmung. In den folgenden Jahrzehnten kamen Kernkraftwerke hinzu, darunter die beiden Blöcke am Standort Isar bei Landshut. Mit der Abschaltung von Isar 2 im April 2023, an dem auch die Stadtwerke München beteiligt waren, endete die Stromerzeugung aus Kernenergie in Deutschland.
Zugleich veränderte sich der Verbrauch selbst. Haushaltsgeräte wurden deutlich effizienter, Gebäude wurden gedämmt, Einzelöfen verschwanden weitgehend aus den Wohnungen. Neue Verbraucher kamen hinzu: Computer, Unterhaltungselektronik, Klimageräte und zunehmend Elektroautos und Wärmepumpen, die Strom dort einsetzen, wo früher Öl oder Benzin verbrannt wurde.
München heute: Wärme aus der Tiefe
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Der vielleicht auffälligste Unterschied zu den 1960er-Jahren liegt in der Wärmeversorgung. Unter München und dem Umland liegt das bayerische Molassebecken, in dem in großer Tiefe heißes Thermalwasser zirkuliert. Diese geologischen Bedingungen gelten als besonders günstig für die Tiefengeothermie. Die Stadtwerke München betreiben mehrere Geothermieanlagen und haben sich zum Ziel gesetzt, die Fernwärme bis 2040 klimaneutral zu erzeugen, zu einem großen Teil aus Erdwärme.
Das bedeutet einen Umbau, der weit über einzelne Anlagen hinausgeht. Heizkraftwerke, die lange mit Kohle oder Gas betrieben wurden, müssen ersetzt oder umgerüstet, Netze ausgebaut und teils auf niedrigere Temperaturen umgestellt werden. Für Gebäude, die nicht an die Fernwärme angeschlossen werden können, kommen Wärmepumpen und kleinere Nahwärmenetze infrage.
Strom aus Wind und Sonne
Auch beim Strom hat sich der Blick verschoben. Statt allein auf große Kraftwerke vor den Toren der Stadt zu setzen, investieren die Stadtwerke in Wind- und Solarparks in Deutschland und Europa. In der Stadt selbst wächst die Zahl der Photovoltaikanlagen auf Dächern, an Fassaden und auf Balkonen. Die Landeshauptstadt hat sich vorgenommen, bis 2035 klimaneutral zu werden – ein Ziel, das ohne den Umbau von Strom- und Wärmeversorgung nicht erreichbar ist.
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Der Vergleich in drei Sätzen
In den 1960er-Jahren hieß Energie in München vor allem Kohle, Öl und Wasserkraft, und Wärme entstand meist im eigenen Ofen. Heute kommt ein wachsender Teil der Wärme aus der Erde und über ein Netz ins Haus, und der Strom stammt zunehmend aus erneuerbaren Quellen. Geblieben ist die Erfahrung, dass sich die Versorgung einer Stadt über Jahrzehnte grundlegend ändern kann, wenn Technik, Politik und Nachfrage in dieselbe Richtung zeigen.
Erinnerung an eine andere Zeit
Wer sich für das München jener Jahre interessiert, landet schnell beim Fußball. Die Meisterschaft der Löwen von 1966 fällt genau in die Zeit, in der Fernseher, Kühlschrank und Ölheizung den Alltag umkrempelten. Zum Jubiläum erinnert das Heritage-Trikot zur Meisterschaft von 1966 daran: In den Stoff des Heimtrikots 26/27 sind die Namen der damaligen Meistermannschaft eingewebt. Auf shop1860.de stehen das Trikot und die Spieler von damals im Mittelpunkt.
Häufige Fragen
Wie wurde in München in den 1960er-Jahren geheizt?
In vielen Wohnungen mit Einzelöfen, die mit Kohle oder Holz befeuert wurden. Im Lauf des Jahrzehnts setzte sich zunehmend Heizöl durch, parallel gewann die Fernwärme aus Heizkraftwerken an Bedeutung.
Woher kam der Strom damals?
Überwiegend aus Kohlekraftwerken, in Bayern ergänzt durch Wasserkraft. Die Kernenergie spielte für die Versorgung in den 1960er-Jahren noch keine Rolle.
Warum eignet sich München für Geothermie?
Unter der Stadt liegt das Molassebecken mit heißem Thermalwasser in großer Tiefe. Diese Bedingungen gelten als besonders günstig, um Wärme für ein Fernwärmenetz zu gewinnen.
Welche Ziele verfolgt München bei der Energieversorgung?
Die Stadt will bis 2035 klimaneutral werden. Die Stadtwerke haben sich vorgenommen, die Fernwärme bis 2040 klimaneutral zu erzeugen, zu einem großen Teil aus Geothermie.







